Archiv

Oft schlummern Schätze…

Da fand ich einen interessanten Artikel von der Archiv-Leiterin Verena Wittmann M. A. im ZeMuLi-Magazin 2-2023, den ich in einer Abschrift wiedergeben darf:

81 braune vergilbte Pappkartons stehen im Speicher des ZeMuLi: Manche etwas zerbeult, einige mit Wasserflecken, viele ausgeleiert und ein paar so vollgestopft, dass sich der Stülpdeckel nicht richtig schließen lässt. Jede der Schachteln trägt einen Aufkleber, auf dem handschriftlich oder maschinengeschrieben der Inhalt vermerkt ist: Musikalisches und Volkskundliches wie „Volkstanz“, „Preissingen 1930 […]“, „Soldaten-Lieder. Auch andere Lieder! Achtung“ oder „Verächtliches über unsere Heimat“, Biographisches wie „Notizbücher auch von meiner Volksliedreise“, „Feldpost“, „70. Geburtstag“, aber auch zu Personen wie etwa „[Kurt] Huber“, „Ludwig Thoma“ und „Annette Thoma“. Es handelt sich um den Nachlass von Kiem Pauli, der lange ungestört in den originalen Schachteln geschlummert hat. Seit Mai 2021 wird dieser bedeutende Nachlass erschlossen und aufgearbeitet.

Neben handschriftlichen und gedruckten Noten finden sich im Nachlass vor allem Hefte und Broschüren mit Liedern, Instrumentalstücken und Tänzen, Zeitungsausschnitte und Materialsammlungen zu den verschiedenen Preissingen. Darunter sind zudem über tausend Fotos und Negative, mehrere Fotoalben etwa aus Moosinning von 1949 oder vom Singen auf dem Domberg, aber auch Familienalben.

Interessant ist neben den musikalischen Archivalien vor allem die Korrespondenz. Einerseits wegen des Inhalts der Briefe und Postkarten, aber auch, weil der Schriftwechsel einen Einblick gibt, mit wem Kiem Pauli in Kontakt stand, in welchen Netzwerken er sich bewegte. So finden sich darunter neben der zu erwartenden Fanpost und Korrespondenz mit Vertrauten wie Professor Kurt Huber (dem Mentor der Widerstandsgruppe Weiße Rose), Annette Thoma, Franz Niegel und Stephan Ankenbrand auch interessante Schreiben von bekannten Zeitgenossen wie Olaf Gulbransson, Georg Queri oder Eugen Roth. Auch gut 50 Briefe des Nazi-Malers Mathias Padua sind erhalten. Darunter befindet sich ein langes Schreiben vom Februar 1945, in dem Padua seine feste Überzeugung äußert, „daß der Krieg von uns gemeistert wird“, und er Kiem zu sich nach St. Wolfgang einlädt.

Der Nachlass wurde von Mai 2021 bis August 2022 durch Herbert Schauer, Antiquar im Ruhestand, erstmals vollständig gesichtet und inhaltlich verzeichnet. Die Archivalien wurden datiert und wichtige Dokumente transkribiert. Damit sind sie jetzt auch für Personen, die keine Sütterlinschrift lesen können, zugänglich. Die nächsten Schritte – das Ordnen der Materialien nach archivalischen Kriterien, das Verpacken in archivsichere Mappen und Kartons, das Entfernen von Metall wie Heftklammern sowie die digitale Verzeichnung der Archivalien – konnte Herbert Schauer leider nicht mehr fertigstellen. Nach kurzer und schwerer Krankheit verstarb er im September 2022 überraschend. Wir sind sehr dankbar für sein kompetente Mitwirkung. Die Arbeiten werden nun von Dr. Theresia Schusser, Mitarbeiterin des ZeMuLiArchivs, weitergeführt und abgeschlossen. Verena Wittmann M. A.

Und ein herzliches Dankeschön geht an Annette Lehmeier von der Chefredaktion vom Tegernseer Tal Verlag für die Möglichkeit, mich mehrere Tage in derem Archiv einzunisten und rund 5.000 Seiten der Zeitschriften, Ausgabe für Ausgabe, zu durchforsten und die gefundenen Informationen für meine Arbeit zu nutzen.

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