Der Wunderdokta von Stainz
Eines der Projekte, die mich seit sehr langer zeit beschäftigten, war die Legende um den Höllerhansl, bekannt auch unter dem Begriff „Der Wunderdokta von Stainz“ (Wunderdoktor). Als Kind hört ich oftmals das Lied vom Höllerhansl im Radio (ja damals spielte man solche Musik noch…) und ich muß ehrlich sagen, mir gefiel dieses Lied. Ob ich damla auch den Zusammenhang mit den „Flascherl“ bereits begriff, weiß ich heute nicht mehr. vielmehr weiß ich noch, daß ich immer schon einmal dort hin fahren wollte, dort wo der Höllerhansl lebte und wirkte. Doch es sollte nicht sein, Stainz war für uns aus der Obersteiermark extrem abgelegen, mit dem Zug hätte das bedeutet, von Zeltweg bis Graz, dort umsteigen in den „Roten Blitz“ in die Weststeiermark, wieder umsteigen in die Schmalspurbahn, dem „Flascherlzug“ nach Stainz – Gesamtfahrzeit mit Umsteigen mehr als 4 Stunden. Und wenn man in Stainz ist, ist man noch lange nicht beim Höllerhansl, mehr als 1 Stunde Gehzeit oder, wenn man Glück hat, konnte man einen Bus für die Fahrt dorthin nutzen. Wieder 1 Stunde mehr und damit für eine Tagesfahrt damals nicht geeignet.
Später waren es andere Interessen, berufliche Ortsveränderungen und veränderte Wertigkeiten durch Familie und Kinder. Also mußte ich über 70 Jahre alt werden, um im April 2026 erstmals in das Dorf Rachling bei Stainz zu kommen und ich wurde nicht enttäuscht. Seit Ende 2025 stand fest, daß ich als Radiomacher eine Sendung über den Höllerhansl gestalten werde und begann mit den konkreten Vorbereitungen und Recherchen gleich nach Jahresanfang. Und es war gar nicht so einfach, dann mir stand anfangs bloß das „Inernet-Wissen“ zur Verfügung, was aber nicht unbedingt mein Stil ist, denn ich will die Sachen vom Grund auf Recherchieren, da mir oft vorher schon aufgefallen ist, daß das vorgegebene Wissen sehr fehlerbehaftet und löchrig ist.
Wer also kann mir das Wissen besser vermitteln, als jemand, der sich vor mir schon sehr tief in die Materie gewagt hat und natürlich Nachkommen. Beides ist mir gelungen, ausfindig zu machen und so war es im April, daß ich mich in Graz mit Hernn Dr. Bernd Mader traf, der die Geschichte rund um den Wunderdokta aus Stainz in Büchern festhielt, nachdem er echte Feldforschung betrieben hatte. Dieser Herr Doktor Mader berichtete mir über seine Arbeit damals und die Geschichte, wie er dazu kam. Es war ein hochinteressantes Gespräch, das ich für meine geplante Sendung mitschneiden durfte. Von Graz gin es dann mit dem Auto nach Stainz, hinauf nach Rachling, wo ich mich mit dem Enkelsohn Gerhard Ganster traf.
Es war beeindruckend, dort in seiner Stube zu sitzen, die Fotoalben durchzublättern und dessen Begeisterung für seinen Großvater zu verspüren. Das wirtschaftliche Schicksal meinte es ahlt vor Jahren nich gerade gut mit dem Gerhard und dem Betrieb des Gasthauses „Zum Höllerhansl“ und es wurde ein Schließung notwendig. Doch für mich öffnete er seine Gastwirtschaft und ich hatte das Gefühl, als würde der Höllerhansl bei unserem Eintreten beim Hinterausgang hinaushuschen. Es war eine eigenartige, aber wohlige Atmosphäre da drin, ein Radiogerät stand auf dem Wandbrett, der Kupferkessel stand am Ofen, genau dort kochte der Wunderdoktor Johann Reinbacher (18.12.1866 – 20.1.1935) seine Tees, die er seinen Patienten mitgab. „Hat wohl nichts geholfen, alle sind jetzt tot“ (unschwer, jetzt nach knapp 100 Jahren). Doch vielen Menschen hat er geholfen, das ist sicher.
Und was da auf dem Tisch lag, war wie eine epochale Entdeckung. Eine Schellack aus dem Jahr 1927 mit dem „Lied vom Stainzer Wundadokta“, die Originalaufnahme von Friedrich Moser komponiert und interpretiert. Es war berührend, der Gerhard konnte von seinem Vater erzählen, daß dieser, immer wenn Besucher kamen, diese Schellack über das Grammophon abspielte. Entsprechend war auch die Tonqualität, die ich in meiner Sendung abspielen durfte.
Heute, wenn ich unterwegs bin, frage ich gerne die Leute, ob sie den Höllerhansl und seine Geschichte kennen. Leider nur ganz wenige können mit dem namen was anfangen, mehrere schon mit dem Begriff „Flascherlzug“, doch was der mit dem Höllerhansl zu tun hat, erkläre ich dann besonders gern und die Leute horchen interessiert zu.
Interessiert war ich auch, als ich die kleine Kirche besichtigte, die der Höllerhansl in seinem Dorf errichten ließ und war neugierig, wann dere Bau war und ob da die Glocke noch als Original vorhanden ist. Und da kam ich auf eine Spur, die wohl vor mir noch niemand gefunden hat. Die Spur in Form eines kompetenten Herrn, dessen Aufgabe es ist, Glockenforschung zu betreiben und mir zuliebe hat dieser Herr seine Recherche in Rachling vorgezogen und mir folgendes, als schriftlicher Teilauszug, übermittelt:
„Es handelt sich hierbei um eine Glocke, die 1918 in den Böhlerwerken in Kapfenberg gegossen wurde. Böhler war in der Zwischenkriegszeit zur größten Glockengießerei Österreichs aufgestiegen, da sie Stahlglocken in alle Bundesländer (und darüber hinaus) lieferten – Stahl war für einen weiteren Krieg kein verwertbares Material. Im Vergleich zu anderen Stahlglocken hebt sich diese allerdings durch ihr Alter sehr hervor: Gußnummer 51, somit eine der ältesten erhaltenen Stahlglocken dieser Gießerei, die es noch gibt! Ich war erstaunt, als ich das gesehen habe…“