Es gibt viel zu tun…
…ein weiterer Fundus fiel in meine Hände!
Ich hab nicht danach gesucht, aber ich habs gefunden. Einen Teilnachlaß vom Kiem Pauli, bestehend aus rund 20 Schriftstücken wie Briefe und für fast alle das passende Kuvert dazu mit Anschrift und Poststempel, Briefkarten sowie über 50 Fotos! Die Briefe waren bei der Sichtung ja kaum ein Problem für mich, denn der vorwiegend in Wildbad Kreuth agierende Kiem Pauli (25.10.1882-10.9.1960) hatte eine sehr schöne und gut lesbare Handschrift, doch die Schrift der Annette Thoma, von der auch ein paar Schriftstücke dabei sind, ist schon eine mittlere Herausforderung. Unbestritten, sie hatte auch eine schöne Handschrift, doch die Lesbarkeit ist hier nicht so sehr gegeben.
Und jetzt kommen noch die Fotos, die ich gerne zeitlich und personell zuordnen möchte. Keines ist mit Datum, ganz wenige mit einem Hinweis versehen und stammen aus einem Zeitraum von ca. 1910 bis in die 1940er Jahre. Wichtig ist aber, alle Fotos sind in einem sehr guten Zustand, kaum abgegriffen noch ausgebleicht. Ein wahrliches Lob an den Vorbesitzer, der mir aber leider keinen Zusammenhang dieser Dokumente und die Geschichte dazu erklären kann. Aber ich habe meine Fühler ausgestreckt und so bin ich auf ein paar Personen gestoßen, die mir bei der Zuordnung der Fotos behilflich sein könnten bzw. bereits sind.
Eine Veröffentlichung dieses Teilnachlasses ist in absehbarer Zeit nicht geplant, denn bevor nicht wirklich alles entsprechend aufgearbeitet ist, wäre niemandem mit einem öffentlichen Zugang geholfen, zudem ist der briefliche Schriftverkehr großteils sehr privat gehalten. Und auch nach dem Tod des Kiem Pauli will ich seine Privatsphäre achten und privat bleiben lassen. Wieweit später daraus eine wissenschaftliche (Teil-?)Nutzung erfolgen kann, werde ich erst nach Sichtung und Absprache mit Fachleuten entscheiden.
Wie wichtig ein Projekt „Almsommer2024“ ist und war, zeigte sich im März 2022. Da erhielt ich einen Anruf aus Bad Goisern mit der Mitteilung, daß es da eine gebundene, handschriftliche Aufzeichnung über den Sepp Reisenbichler gibt. Wenig später hielt ich diese Aufzeichnung über den „singenden Wölfl“ in meinen Händen und kam aus dem Staunen nicht heraus.
Bei diesem Dokument handelt es sich um eine bislang nicht bekannte, bzw. vergessene Aufzeichnung von Josef Lichtenegger1 (1909 – 1935) aus dem Jahr 1928. Ein passionierter Ortshistoriker2 half dabei, die Spur zu diesem Sepp Lichtenegger zu finden. Hier ein Auszug aus dessen Nachsatz:
Ich habe diese handschriftliche Maturaarbeit über das Leben von Josef Reisenbichler Anfang März zur Abschrift erhalten. Der Autor dieser Maturaarbeit war anfangs nicht bekannt… . Es ist nur ein Datum mit 1928 angegeben. Ich erzählte das ..2.. und dieser stellte fest, daß es sich dabei nur um Josef Lichtenegger handeln kann.
Josef (Sepp) Lichtenegger wurde am 24.8.1909 in Goisern, Riedln 10, geboren (Pöschingermühle). Nach seiner Schulzeit wurde er zum Lehrer ausgebildet und war bis 1935 an 6 verschiedenen Schulen als Lehrer tätig, zuletzt in Mattighofen.
Er entwickelte sich auch zu einem der besten Bergsteiger und Kletterer seiner Zeit, bis er am 31.7.1935 mit seinem Begleiter Sepp Macherhammer das Matterhorn über den Zmuttgrat besteigen wollte und dabei ca. 200 Meter unter dem Gipfel beim Fotografieren, wahrscheinlich durch einen ausbrechenden Felsen, in die ca. 1000 m hohe Nordwand des Matterhorns abstürzte. Trotz mehrmaliger Suche konnte er bis heute nicht gefunden werden.
Zur Erinnerung an ihn ist im evangelischen Friedhof in Goisern an der Südseite der Leichenhalle eine große Marmortafel angebracht. Am Gipfel des Predigtstuhl befindet sich auch eine Erinnerungstafel, wo auch eine Kletterroute nach ihm benannt wurde.
Das sind ja Zufälle und ich bedanke mich bei allen Leuten, die mich auf diese Art und Weise unterstützen, meine Recherchen über Sepp Reisenbichler weiterzuführen und auf das eine oder andere noch nicht bekannte Dokument zu stoßen. Also liebe Leute, sucht weiter, jedes noch so kleine Fundstück kann wertvolle Hinweise in sich bergen…
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1 Durch einen ursprünglichen Interpretationsfehler wurde längere Zeit „Lüftenegger“ anstatt korrekt „Lichtenegger“ angenommen.
2 ich möchte hier aus bestimmten Gründen von einer Namensnennung absehen.