Bayrischzell Lied

Eine Huldigung an die Heimat

Bei meinen Recherchen im Umfeld vom Kiem Pauli bin ich natürlich auch in die Region Bayrischzell gekommen und da auf ein Lied gestoßen, das mir bislang unbekannt war, ebenso wie der Komponist Martin Staudacher (1857 – 1929). Das „Bayrischzell Lied“, manchmal auch als „Bayrischzeller Lied“ bezeichnet, wurde 1882 vom bayrischzeller Heimatdichter Martin (Martl) Staudacher komponiert und niedergeschrieben. Anfang 2026 habe ich Martin Staudacher als eigenes Projekt gestartet und versucht, einige Informationen zu finden. Dabei bin ich auf einen seiner direkten Nachfahren in Bayrischzell gestoßen und der hat mir wohlwollend Informationen übermittelt, die ich gerne weiter unten wörtlich wiedergeben darf und möchte. Das Projekt „Martin Staudacher“ ist damit für mich vorerst abgeschlossen, was aber nicht heißt, daß ich nicht dran bleibe, wenn sich weitere Informationen ergeben.
Und diese weitere Information hat sich grad ergeben: Vom Bayrischzell Lied gibt es erste Tonaufzeichnungen bereits um das Jahr 1930 als Schellack. So etwa von Isiphon-Concert-Record, 467b, 6344: Bayrisch Zell, Bayrisches Volkslied; Bauern-Kapelle „Bayrische Oberlandler“, Toni Schmidt (Quelle: Forschungsstelle für Fränkische Volksmusik) oder auch als klassische Version von Electrola. Erik Wirl mit Chorgesang und Orchesterbegleitung (Quelle: Tirol-Schellack).

Martin Staudacher, Dichter und Komponist des Bayrischzeller Liedes (wörtliche Wiedergabe des Nachfahren)
Staudacher Martl ist am 18. September 1857 in Bayrischzell als der Sohn der Stefflbauerscheleute Stephan und Therese Staudacher geboren; von 1864 bis 1871 besuchte er die Volksschule unter den Lehrern Frankl, Kneißl, Sedlmaier und Burger (es waren im ganzen 18 Schüler); mit 18 Jahren kam er zur Bayrischzeller Musik, 1877 wurde er zum Militär und zwar zum 1. Kürassier-Regiment ausgehoben; nach dreimonatiger Reitschule wurde er der Militärmusik zugeteilt und blieb bei derselben als Baritonist bis zu seiner am 18. September 1880 erfolgten Entlassung. Von 1880 an war er im Vaterhause in der Landwirtschaft tätig, bis er 1887 als Postillon nach Schliersee berufen wurde; von dort aus fuhr er zwei Jahre lang die Strecke Schliersee-Bayrischzell. 1889 kaufte er ein kleines Gut in Ried bei Elbach und verehelichte sich 1890 mit Anna Bauernschmid, Tochter des Holzmeisters Franz Bauernschmid; 1893 kehrte er wieder nach Bayrischzell zurück, wo er teils in der Landwirtschaft tätig war, teils um Taglohn diente. Seiner Ehe entsprossen 11 Kinder; 3 Söhne machten den Weltkrieg 1914/18 mit, in dem der älteste Sohn Michael den Heldentod starb am 17. März 1917 bei Pinne in Frankreich.
1883 kam unser Martl auf den Gedanken, ein Zeller Lied zu dichten und zu vertonen und zwar auf Anregung des Schuasta-Pauli (Paul Zeller, Schuhmachermeister in Bayrischzell), der bei den gemütlichen Abendunterhaltungen im Gasthof Post gerne kleine, selbstgemachte Gedichte vortrug. Das Lied fand in allen deutschen Gauen großen Anklang und heute gibt es fast kein deutsches Städtchen, in dem nicht unser Heimatlied gesungen wird. Später war Staudacher Martl als Pfarrmesner und Fleischbeschauer, in den freien Zeiten in der Landwirtschaft tätig. Er starb mit 72 Jahren im Jahre 1929 am 22. Mai.
Ihm, dem Dichter und Komponisten des Bayrischzeller Liedes, zu Ehren, fand am Sonntag, den 14. Dezember 1924, abends halb 8 Uhr, im Saale des Hotels Wendelstein ein Festabend statt. Warum diese große Ehrung: Nun, das wurde an dem Abend aufgeklärt. Wenn wir das heutige Bayrischzell mit dem Zell vor 60/70 Jahren vergleichen, so müssen wir einen ungeheuren Aufschwung unseres Heimatdörfchens wahrnehmen: Damals ein paar wettergebräunte, alte Bauerngehöfte um das schmucke alte Klosterkirchlein, heute ein moderner Fremdenverkehrsort mit stattlichen Häusern, Villen, Hotels und Pensionen, in deren großzügigen Linien die lieben, alten und so traulich noch anmutenden Bauernhöfe fast verschwinden möchten. Diesen Aufschwung – der Verfasser des Leizachtalbuches nennt Bayrischzell das aufstrebende Garmisch – verdanken wir nicht zuletzt dem Dichter und Vertoner des Bayrischzeller Liedes.
Im August 1957 wurde ein großes Versäumnis gutgemacht. Gar manche Ehrenbürgerurkunde wurde schon an verdiente Bayrischzeller verliehen und nun dachte man endlich auch an den Staudacher Martl. Ihm, der Bayrischzell mit seinem Lied weltweit bekannt gemacht und damit zum Aufstreben unseres Ortes viel, viel dazugetan hat, wurde zum Ehrenbürger ernannt und beschlossen, aus Anlaß seines 100. Geburtstages, am Vorabend des 18. September 1957 einen »Martl-Staudacher-Ehrenabend« zu veranstalten. An diesem Abend wurde seinem Sohn, dem »Staudacher-Hansä«, die Ehrenbürgerurkunde überreicht, damit sie im Elternhause einen Ehrenplatz finde und die Nachkommen erinnere an einen hochverdienten Bayrischzeller, ihren Ahn, — wie im Sitzungszimmer des Rathauses ein Ölbild des Dichters und Komponisten unseres Liedes die Bevölkerung mahnen soll, auch ihrerseits des Staudacher Martl nie zu vergessen.

Text Bayrischzell Lied:
Kennst du das Tal im Alpenblüh’n
wo abends rot die Berge glüh’n.
Die Quelle brausend niederrauscht
der Jäger kühn das Wild belauscht?
Wo’s Alpenlied so traulich schallt
und in den Bergen widerhallt?
Dort wo die Glocken klingen hell
in diesem Tal liegt Bayrischzell.
Dort wo die Glocken klingen hell
in diesem Tal liegt Bayrischzell.

Steigt man empor die Bergeshöh’n
wie ist’s da oben wunderschön;
man schaut vom hohen freien Stand
ringsum das schöne Bayernland.
Und winket in der Sonne Strahl
tief unten dann das stille Tal
so ruf‘ ich aus so freudig schnell:
Wie lieblich bist du, Bayrischzell!
So ruf‘ ich aus so freudig schnell:
Wie lieblich bis du, Bayrischzell!

Zu höchst steht untern Himmelszelt
der Wendelstein der greise Held
auf seinem Haupte die Kapell‘
in seinem Schoß das Haus so hell.
Laut schallt vom Berg der Senn’rin Lied
wenn aus dem Tal der Nebel zieht!
Sie singt und ruft aus voller Kehl‘:
Gott schütze dich, mein Bayrischzell!
Sie singt und ruft aus voller Kehl‘:
Gott schütze dich, mein Bayrischzell!

Und blicke hoch vom Wendelstein
zur Stadt nach München ich hinein
erinnert sich der Sinn so gern
an unsern lieben Landesherrn.
Kommt er einmal in’s Leitzachtal
umjubelt von der Lieder Schall
denkt er gewiß im Herzen schnell:
Schön ist’s in meinem Bayrischzell!
Denkt er gewiß im Herzen schnell:
Schön ist’s in meinem Bayrischzell!

Zieht dann ein Bursch‘ von diesem Ort
für’s Vaterland zu Felde fort,
so steigt er noch auf Bergeshöh’n,
weil dort die Rundschau gar so schön.
Gestützt auf seinen Reisestab
blickt er nochmals in’s Tal hinab,
und ruft aus ganzer, voller Seel:
So leb‘ denn wohl, mein Bayrischzell!
Und ruft aus ganzer, voller Seel:
So leb‘ denn wohl, mein Bayrischzell!

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