Kiem Pauli

Der große Volkslieder-Sammler

Ob die Volksmusik heute diesen Stellenwert hätte ist mehr als fraglich, wenn der gute Kiem Pauli nicht gewesen wäre. Der Mann, der in Wildbad Kreuth in Bayern lebte, zog in die alpenländische Welt hinaus, um das Volkslied zu sammeln. Und das hat er gut gemacht! Nach vielen Jahrzehnten seines aktiven Wirkens ist der Emanuel Paul Kiem, am 25. Oktober 1882 in München geboren, in der Volksmusik so gut wie allgegenwärtig. Viele Arrangements beruhen auf den Sammlungen des Kiem Pauli, der auf seinen Erkundungsreisen weit über die bayerischen Grenzen kam, so auch ins Ausseerland zum Johann Kain, dem singenden Bachwirt, traf sich mit Konrad Mautner und Viktor Geramb und auch mit dem Peter Rosegger.
Der Kiem Pauli sammelte mit Leidenschaft und einer Akribie, die man sich heute kaum vorstellen mag, ganz ohne Computer, keine Datenbank und kein Internet zur Datenrecherche. Und er verstand sein Handwerk, spielte selber mehrere Instrumente und pflegte auch den Gesang. Er war nahezu Stammgast bei Rundfunkanstalten und nahm sogar Musikstücke auf Schallplatte und früher auch noch auf Schellacks auf. Es gibt aber auch eine Menge von Tonbändern, die bislang noch nie in der Öffentlichkeit zu hören waren. man wird sich jetzt vielleicht fragen, warum sind die noch nie hörbar geworden?
Ja, das ist eine andere Geschichte, die ich nicht extra kommentieren möchte, nur so viel, daß der Hauptteil des Nachlasses des Kiem Pauli im Volksliedarchiv Bruckmühl in Oberbayern liegt und verwaltet wird. Mehrere Umstände, Überlegungen und/oder Situationen ließen es offenbar nicht zu, diesen Nachlaß zu öffnen. Leider wird erst jetzt, fast 70 Jahre nach dem Ableben des Kiem Pauli, eine generelle, den modernen Techniken angepaßte Katalogisierung durchgeführt, die möglicher Weise im Jahr 2028 zur allgemeinen Öffnung und dem Zugriff führen könnte. Welcher Aufwand dahinter steckt, das kann ich gut nachfühlen, denn ich selbst bin seit einiger Zeit im Besitz eines kleinen Teiles eines solchen Nachlasses, der persönliche Briefe des Kiem Pauli mit einigen Bezugsnamen, die offenbar niemand kennt, beinhaltet und viele Fotos und Bildkarten. Die Briefe konnten ja relativ schnell und einfach gesichtet werden, denn die Handschrift des Pauli war vorbildhaft und leicht zu lesen. Doch die Bilder sind nun das Problem, denn die sind kaum beschriftet, mit keiner Jahreszahl versehen und damit nur schwer zuzuordnen. Die Personen, die da abgebildet sind, sind mannigfaltig und es gibt nur mehr ganz wenige Menschen, die diese Leute von den Fotos her kennen und identifizieren können. Doch das macht die Sache erst spannend, doch die Zeit, die dahinrennt, ist kaum zu beschreiben!

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