Schmerzensmann

Der Schmerzensmann von Altmünster

Es war am 17. August 2018, als ich dieses Projekt als erstes überhaupt in Angriff nahm. Es entstanden die ersten Fotos nach einem Hinweis auf eine vor sich hinmodernde überlebensgroße holzgeschnitzte Figur in einem Schuppen nahe der Kalvarienbergkirche in Altmünster. Der Anblick war ernüchternd. Das markante Gesicht ließ deutliche Züge von Schmerz erkennen, die ursprüngliche Farbe wurde von Staub und Ruß übertönt und dennoch scheinen die Augen einen Hilfeblick auf mich zu werfen und für mich war sofort klar: „ich möchte mich dieser überlebensgroßen Holzfigur annehmen und um eine Wiederbelebung kümmern“. Doch vorerst einmal beließ ich beim fotografieren und Dokumentieren dieser Holzfigur.
Bei der Nachforschung zu den Ursprüngen und der Vergangenheit dieser eindrucksvollen Darstellung wurde mir einiges bewußt: Es handelt sich hier um eine Figur, die unbedingt vor dem endgültigen Verfall zu retten ist. Doch bevor ich den ersten Schritt in diese Richtung setzte, mußte ich die Eigentumsverhältnisse klären. Was sich nach Monaten der intensiven Suche nach einem Eigentümer als sinnlos herausstellte – so übernahm ich die Figur quasi zur Adoption, meldete dies und mein Vorhaben offiziell an und konnte inzwischen auch mehrere Angebote für eine Restaurierung einholen und auswerten.

Wie kam diese Figur überhaupt in diesen Schuppen?
Man schrieb das Jahr 1974, als ein mächtiges Gewitter über Altmünster herzog und in der ganzen Gegend massive Schäden anrichtete. Selbst die auf einer sanften Anhöhe über dem Ort stehende Kalvarienbergkirche hielt dem Sturm nicht stand und brach zum Teil in sich zusammen. Die beschädigte, überlebensgroße geschnitzte Holzfigur wurde auf geheiß des damaligen Pfarrers, wie einiges andere auch, „zur Entsorgung“ freigegeben, was aber beherzte Christen nicht so einfach hinnahmen und in der Nähe einen Holzschuppen und einen aufgeschlosssenen „Quartiergeber“ fanden, wo der Schmerzensmann eingestellt und erst nach knapp 50 Jahren der Vergessen- und Verschollenheit wieder aufgetaucht und einer gründlichen Restaurierung unterzogen werden sollte.

Die ersten Schritte in die richtige Richtung
In erster Linie mußte der massive Insektenfraß gestoppt werden, der Holzwurm hatte sich in fast 5 Jahrzehnten über die ganze Figur hergemacht und sich eingenistet. Ein ganzer Fuß war bereits dieser Horde zum Opfer gefallen, das Kleid fühlte sich in mehreren Bereichen im unteren Saum schon schwammig an, was nichts Gutes zu verheißen schien.
In Gmunden fand ich einen „Kammerjäger“, der mich bei meinem Vorhaben dankenswerter Weise sehr unterstützte. 6 Mann waren wir insgesamt nötig, die den Schmerzensmann von seinem Verließ vom Holzschuppen in den Keller meiner Schnitzerwerkstatt transportierten und dort vorsichtig aufbahrten. Der Kammerjäger konnte sein Werk beginnen. Mehr als 3 Wochen lag die Figur in einem Folientunnel eingeschlossen unter Gasbehandlung, bis wir endlich die Figur wieder befreien konnten und dem Restaurator Moser-Seiberl übergeben, der damit in seine Werkstatt nach Bad Aussee fuhr, um dort die nötigen Schritte einer Restaurierung zu setzen.

Die Restaurierung, ein wahrer Jungbrunnen für die Figur
In der Werkstatt Restaurator Moser-Seiberl wurde vom Oktober 2018 bis in den März 2019 hinein die Figur fachgerecht behandelt, der abgemorschte Fuß wurde sorgsam neu nachgeschnitzt, die unzähligen kleinen Löcher des Holzfraßes aufgefüllt und verschlossen und die Fassung aufgetragen und auf den gespendeten Sockel eingepaßt. Der Termin für die Neuaufstellung konnte fixiert werden. Es war der 12. April 2019, der Donnerstag vor dem Palmwochenende, wo der Schmerzensmann direkt aus der Werkstatt an die Kalvarienbergkirche Altmünster transportiert werden konnte und im Altarbereich aufgestellt. Die Bewunderung war riesig, was die Restaurierer da zusammengebracht haben.
Die Wiederaufstellungsfeier war ein kleiner, unscheinbarer Akt, der auch nicht angekündigt wurde, da sich im lokalen Bereich plötzlich eine Bewegung auftat, die von der Restaurierung und Wiederaufstellung vom Schmerzensmann nicht viel hielten und trotz des Angebotes der konstruktiven Zusammenarbeit gar eine Konkurrenz sahen. Nur Konkurrenz zu was, bitte? Vielleicht zu den Spendeneinnahmen? Kann nicht sein, denn es wurde bewußt und mit Rücksicht auf die Neid-Situation keine Kassa aufgestellt, wo Spenden für die Schmerzensfigur eingeworfen werden könnten – die gesamte Restaurierung wurde ohnehin ausschließlich privat finanziert. Bis auf einen einmaligen Landesbeitrag, der allerdings zu den Gesamtkosten in keiner nachvollziehbaren Relation steht. Mittlerweile erfreut sich die Kalvarienbergkirche in Altmünster zunehmender Beliebtheit bei Wanderern und Pilgern. Wie eine neuerlich fällige Wurmbehandlung finanziert werden soll, ist noch völlig offen, wird aber kaum ausbleiben.
Spenden dringend erbeten, bitte um Kontaktaufnahme!

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